SYSTEMISCHES KONSENSIEREN (SK)

 

SYSTEMISCHES KONSENSIEREN (SK) 

Das Wort "systemisch" bedeutet, dass diese Entscheidungsmethode systembedingt bei allen Beteiligten ein konstruktives Verhalten hervorruft, ohne von deren gutem Willen oder sonstigen Eigenschaften abhängig zu sein. Systemisches Konsensieren führt zu einer größtmöglichen Näherung an den Konsens und besitzt damit eine starke konfliktlösende Wirkung. Durch Konsensieren ist es möglich, die gemeinsamen Entscheidungen nicht mehr mit Hilfe von Autorität oder der Macht der Stimmenmehrheit sondern gemeinschaftlich und ohne die "Nebenwirkungen" von Siegern und Besiegten zu treffen- das traditionelle Sieger- Verlierer-Prinzip wird durchbrochen mit dem entscheidenden Hauptvorteil, dass dabei kaum neue Konflikte entstehen.


Das SK-Prinzip hilft bei der  Weiterentwicklung der Demokratie.


Stellen Sie sich vor, eine Gruppe muss sich für eine von drei Alternativen entscheiden. Dabei ist bekannt, dass ein Entscheid

  •   für Alternative A große Unzufriedenheit in der Gruppe erzeugt,
  •   für Alternative B mittlere Unzufriedenheit in der Gruppe erzeugt,
  •   für Alternative C von der Gruppe ohne Unzufriedenheit akzeptiert und von allen Gruppenmitgliedern mitgetragen wird.

Ein Entscheid für Alternative A oder B, die beide Unzufriedenheit in der Gruppe hinterlassen, erscheint beinahe widersinnig.
Dennoch ist es gängige Praxis in unseren Demokratien. Wenn wir demokratisch abstimmen, sprich, wenn die Mehrheit sich durchsetzt, bedeutet das beinahe notgedrungen, dass die überstimmten Minderheiten mit dem Entscheid unzufrieden sind. Nach Alternativen, die von allen mitgetragen werden können, wird durch die Mehrheitsabstimmung nicht gesucht: Die innere politische Zerrissenheit demokratischer Gesellschaften, der ständigen Kampf um die Entscheidungsmacht, der Parteienstreit und die wechselseitige Vernichtung von Energie und Aufbauarbeit des politischen Gegners sind systemisch bedingte Folgen des Mehrheitsprinzips.
Viele BürgerInnen spüren daher, dass nicht das Wohl von Volk und Staat, sondern der Machtkampf im Vordergrund des politischen Handelns steht. Sie spüren weiter, dass ihre politische Einflussnahme bei den periodischen Wahlen nicht ausreicht, um dieses systemischen Gesetzmäßigkeiten zu verändern. Und fliehen in Wahlverweigerung und Demokratie-Müdigkeit.
Wenn wir diese Situation ändern wollen, müssen wir ein neues Entscheidungsprinzip in der Demokratie etablieren. Sein systemisches Ziel muss es sein – wie oben angedeutet – die Unzufriedenheit mit der Entscheidung zu minimieren.

Das SK-Prinzip erfüllt diese Forderung. Es lautet in seiner einfachsten Formulierung:
Die Gruppe entwickelt möglichst viele Vorschläge und entscheidet sich dann für jenen, der in der gesamten Gruppe die geringste Unzufriedenheit erzeugt.
Das Verfahren, mit dem das SK-Prinzip umgesetzt wird, heißt „Systemisches Konsensieren“ und läuft wie folgt ab:


1.    Möglichst viele Vorschläge werden entwickelt.
2.    Die Vorschläge werden von allen Beteiligten bewertet. Dabei kann jedes Gruppenmitglied seine subjektive Ablehnung,    Unzufriedenheit, Widerstände, Ängste, Bedürfnisse und Nöte gegenüber jedem einzelnen Vorschlag durch Widerstandstimmen (W-Stimmen) ausdrücken:

  •     0 W-Stimmen bedeutet: Ich habe keinen Einwand gegen diesen Vorschlag.
  •     10 W-Stimmen bedeuten: Dieser Vorschlag ist für mich unannehmbar.
  •     Zwischenwerte werden nach Gefühl vergeben.

3.    Der Gruppenwiderstand wird errechnet. Dazu werden für jeden Vorschlag die W-Stimmen zusammengezählt, die er von allen Beteiligten erhalten hat.
4.    Der Vorschlag mit dem geringsten Gruppenwiderstand gilt als „konsensiert".
Der konsensierte Vorschlag

  •     erzeugt die geringste Unzufriedenheit in der Gruppe …
  •     wird von allen gemeinsam am leichtesten angenommen …
  •     erzeugt das geringste Konfliktpotenzial …
  •     kommt daher als Problemlösung am ehesten in Frage …
  •     kommt dem Konsens am nächsten.

Die großen Vorteile des Konsensierens sind:

  • Konsensieren ist nicht blockierbar.
  • Durch Konsensieren werden die Konfliktenergie und die Unterschiedlichkeit der Beteiligten in kreative Bahnen   gelenkt. Gruppen werden dadurch eher zusammengeschweißt anstatt in Sieger und Besiegte gespalten.
  • Konsensierte Entscheidungen werden weitgehend widerstandsfrei umgesetzt.
  • Konsensieren bei Volksentscheiden/Volksbefragungen führt nicht zu dem derzeit immer wieder registrierten Unbehagen, weil man eine von zwei Alternativen gutheißen muss, die in vielen Fällen beide gleichermaßen unbefriedigend erscheinen. Direkte Demokratie wird dadurch endlich zu einem befriedigenden Vorgang.
  • Bei Partizipation erhalten auch die Vorschläge des/der Einzelnen Gewicht und erlauben so auch dem/der Einzelnen aktive Teilnahme am politischen Geschehen.
  • Die Energie und Ressourcen, die derzeit im politischen Gegeneinander vergeudet werden, können in kooperativem Streben nach konstruktiven Lösungen eingesetzt werden.

Konsensieren ist ein erprobtes Verfahren, welches sich seit Jahren im Privaten, in Vereinen, in der Wirtschaft und auch als Werkzeug der Mediatoren bewährt. Sein Einsatz in der Politik ist längst überfällig.

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